Klappentext

Begegnungen mit den Meilensteinen der Technikgeschichte – das erste Mikroskop, die erste Rechenmaschine, die erste explosionssichere Grubenlampe, die erste Dampfmaschine, die erste Eisenbahn, der erste Telegraf, das erste Auto, die erste Glühlampe, das erste Radio, um nur einige willkürlich ausgewählte Erfindungen zu nennen – sind immer zwiespältig. Die Faszination des „ersten Schritts“ konkurriert mit dem Kopfschütteln über die „Kinderkrankheiten“ der Prototypen, die erst die nachfolgende Weiterentwicklung kuriert hat. Gerade in der Geschichte der Weiterentwicklung erweist sich, ob jeweils das „Immerhin schon“ schwerer wiegt als das „Damals noch nicht“.

Als Dr. Günter Kisselbach in der Leicasammlung seines Vaters auf einen weitgehend unbekannten Leica- Prototypen stieß, das „Barnacksche Handmuster“, war die Entwicklungsgeschichte der Kleinbildkamera aus Wetzlar scheinbar längst geschrieben. Glücklicherweise hat sich der Fotofreund von der Fülle gesicherter Erkenntnisse nicht davon abhalten lassen, selbst herauszufinden, dass es im Quellbereich der Leica-Geschichte durchaus noch „weiße Flecken“ gab. Sein faszinierender Erfahrungsbericht belegt überzeugend, was das frühe Handexemplar seines Erfinders Oskar Barnack zu leisten imstande war. Dies wurde allerdings erst dadurch sichtbar, dass das Handmuster der praktischen Erprobung ausgesetzt wurde und zeigen musste, welchen Anforderungen es bereits gewachsen war und wo es auf Grenzen stieß, die erst die Weiterentwicklung überwunden hat.

Dass die Kleinbildkamera von Oskar Barnack mit dem Objektiv von Max Berek von Anfang an ein Entwicklungspotenzial besaß, das weit über die Anforderungen hinaus reichte, die sich rückblickend aus dem zeitgenössischen Filmmaterial und aus den bildkünstlerischen Ansprüchen der frühen Zwanziger Jahre ableiten lassen, macht dieses Buch überzeugend deutlich. Was tatsächlich schon in der Leica steckte, ehe sie ihren Namen erhielt und ab 1925 in Wetzlar in Serie ging, wird bei dieser Expedition „back to the roots“ Schritt für Schritt zu einem packenden Erlebnis.

Hartmut Schmidt
Direktor a.D. der Städtischen Museen Wetzlar